Verwendung von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat sowie weiterer Pestizide in der Stadt Sprockhövel

Der Ausschuss empfiehlt dem Rat, Sprockhövel nach dem Vorbild vieler anderer Städte im Ruhrgebiet, darunter unsere Nachbarstadt Witten, zur pestizidfreien Kommune zu erklären.
Dazu werden die folgenden Maßnahmen umgesetzt:
1. Kein Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden (Pflanzenschutzmittel) durch die Stadt und ZGS auf allen kommunalen Flächen (Kulturland sowie Nicht-Kulturland).
2. Verpflichtung von privaten Dienstleistungsunternehmen, die den Auftrag zur Pflege öffentlicher Flächen erhalten – auch im Auftrag der ZGS -, zu einem Pestizidverzicht. Dies gilt auch für Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen, die die Pflege städtischer Flächen, wie z.B. Kreisverkehren, übernommen haben.
3. Initiierung von bienen- und insektenfreundlichen Blühflächen oder Projekten.
4. Zukünftige Verankerung eines Verbots des Einsatzes von Pestiziden in Pachtverträgen von kommunalen Flächen für eine landwirtschaftliche oder Gartenbau-Nutzung und in Nutzungsüberlassungen kommunaler Sportflächen.
5. Information von Bürger*innen über die Bedeutung von Biodiversität in der Stadt und die Möglichkeiten zum Schutz von Bestäubern wie Bienen und Wildbienen sowie giftfreie Maßnahmen beim Gärtnern.

Begründung:
Über die öffentliche Anfrage in der Ratssitzung vom 13.12.2017 wurde deutlich, dass weder die Stadt noch der Landesbetrieb Straßen NRW Glyphosat benutzen. Das ist sehr zu begrüßen und kann sicher auch Bürger*innen motivieren es nicht einzusetzen. Aus nachstehenden Gründen ist es aus unserer Sicht erforderlich, die o.a. Maßnahmen festzuschreiben sowie sich auch um eine Reduzierung anderer Pestizide zu bemühen.:

In Städten und Gemeinden werden Pestizide in der Regel eingesetzt, um Wege in Parks, Sport- und Spielplätze, Grünanlagen oder Straßenränder frei von unerwünschten Kräutern und Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen. Viele der Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen oder eine hormonelle Wirkung zu haben. Auf
öffentlichen Flächen wie beispielsweise Sport- und Spielplätzen können die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit den Bürger*innen kommen. Insbesondere für Kinder und Schwangere ist das eine Gefahr. Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sind den Stoffen schutzlos ausgeliefert.
Für viele Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum sind Pestizide ein Verhängnis. Denn nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten werden beseitigt, sondern auch Honig- und Wildbienen, Schmetterlinge und Fledermäuse. Entweder töten und schädigen Pestizide Insekten oder Wildkräuter direkt oder sie dezimieren ihren Lebensraum und ihre Nahrung. Von den fast
600 Wildbienen-Arten in Deutschland steht rund die Hälfte auf der Roten Liste. Dabei sind blütenbesuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt und sichern landwirtschaftliche Erträge und damit unsere Ernährung.
Laut Welternährungsorganisation sind weltweit rund zwei Drittel unserer Nahrungspflanzenarten auf Bestäuber angewiesen. In Städten und Gemeinden sichern Honigbienen, Wildbienen und Schmetterlinge den Kleingärtnern eine gute Obsternte und den Stadt-Imkern reichlich Honig.
Weltweit und auch in Deutschland erleben wir einen zunehmenden Verlust der Artenvielfalt. Grund dafür ist vor allem die intensive Landwirtschaft. Dort dominieren meist Monokulturen, die intensiv mit Pestiziden gespritzt werden. Hecken oder Blühflächen, als Rückzugsgebiete und Nahrung für viele Insekten, Vögel und Säugetiere fehlen oft komplett. Über 40.000 Tonnen Pestizide belasten jährlich in Deutschland die Umwelt, Tendenz steigend. Das Ziel der
Nationalen Biodiversitätsstrategie, den Verlust von Arten zu stoppen, kann mit dem aktuellen Pestizideinsatz nicht erreicht werden.
Siedlungsgebiete sind oft letzte Rückzugsorte für bedrohte Arten, die in der Agrarlandschaft keinen Lebensraum mehr finden. Kommunen wie Sprockhövel können hier Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen. Auch für die menschliche Gesundheit, die Lebensqualität und den Tourismus ist der Pestizidverzicht ein Gewinn. Bundesweit über 50 Städte sind bereits ganz oder
teilweise pestizidfrei, einige von ihnen sogar schon seit über 20 Jahren. Die möglichen Maßnahmen sind vielfältig. So werden Flächen mit mehrjährigen Stauden bepflanzt, die Insekten ein ganzjähriges Blütenangebot und damit Nahrung und Lebensraum schaffen. Frühzeitiges Reinigen von Verkehrsflächen und planerische Weitsicht bei der Bebauung sind wichtige Elemente, um einen zu starken Bewuchs zu verhindern. Alternativen zur Chemiekeule sind vielfältige mechanische und thermische Verfahren. Besonders wichtig ist dabei immer die
Kommunikation mit den Bürger*innen, um die notwendige Akzeptanz zu schaffen.

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